Bar­ri­e­re­frei­heit
 

„Das Sterben erleichtern, um dem Leben zu dienen“

v. l. n. r.: Rüdiger Schuch, Kirsten Holst, Wilfried Koopmann, Magnus Menneler, Pfr. Uwe van Raay, Sigrid Kübler-Molitor, Pfr. Dietrich Woesthoff, Angelika Köster, Udo Schröder-Hörster
Blumen-Dank an die Geschäftsführenden und die Fundraiser
Das Zukunftsbild-Kreuz als Geschenk des Erzbistums Paderborn
Das Gebäude
Freude über eine großzügige Spende des Bundesvorstands der Johanniter
Die Mitarbeitenden des Hospizes stellen sich vor.

Christliches Hospiz Soest eröffnet +++ 320 Gäste bei Festgottesdienst und Empfang +++ große Freude auf allen Seiten


Mit einem ökumenischen Festgottesdienst und einem anschließenden Festakt mit 320 Gästen wurde am 4. Mai 2018 das Christliche Hospiz Soest eröffnet. Nach vierjähriger Planungs- und Bauzeit wurde das Haus in Betrieb genommen. Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der beiden Gesellschafter Evangelischen Perthes-Stiftung und Johanniter-Orden, aus Kirche, Diakonie, Politik und Gesellschaft waren zusammengekommen, um den erfolgreichen Abschluss des Gründungs- und Bauprozesses zu feiern und das fertiggestellte Hospiz feierlich seiner Bestimmung zu übergeben.


Die Liturgie hielten Pfarrer Thomas Gano von der Evangelischen Hohnegemeinde und Probst Dietmar Röttger. Pfarrer Gano brachte den Grundgedanken des Hospizes in seinen Eröffnungsworten auf den Punkt: „Das Sterben erleichtern, um dem Leben zu dienen.“
Dechant Dr. Gerhard Best schenkte dem Hospiz ein großes farbenprächtiges Kreuz. „Dieses Kreuz ist das Zukunftsbild für das Erzbistum Paderborn. Obwohl der Tod einen festen Ort im neuen Hospiz hat, soll das Leben hier sein.“ Er dankte allen Mitstreitern. Von Anfang an sei hier eine Einrichtung im ökumenischen Gedanken entstanden. „Diese Entwicklung macht großen Mut!“


Der Vorstandsvorsitzende der Evangelischen Perthes-Stiftung Pfarrer Rüdiger Schuch hielt die Festpredigt über Hebräer 11,1: „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“.
Im einem Haus, in dem das Sterben und der Tod hineingeholt werden in das Leben, verflüchtige sich die Angst. „Es sind diese Erfahrungen, die den Wunsch im Kreis Soest über 20 Jahre haben reifen lassen nach einem Haus, in dem man -  neben den vielen Wohnungen und Häusern, in denen liebevoll mit ambulanter Unterstützung gepflegt und begleitet wird –  auch stationär Heimat nehmen kann auf Zeit, für die letzte Lebenszeit. Ein Hospiz.“
 
Das Ergebnis nannte er „beeindruckend“. Das großzügige Haus bietet Menschen in ihrer letzten Lebensphase und ihren An- und Zugehörigen Räume für das Leben und das Sterben. „Das Christliche Hospiz Soest ist ein Statement der Bürgergemeinde für ein würdevolles Sterben in der Mitte der Gesellschaft. Es ergänzt die bisherigen ambulanten und stationären Angebote wie Pflegeinrichtungen für Menschen im Alter“, betonte Schuch. Den Räumen werde eine Aura zuwachsen, die durch Menschlichkeit, Liebe, Ehrfurcht vor dem Leben als grundlegende Merkmale einer Haltung zum Leben geprägt sei. Auch die Stadt und den Kreis werde dies verändern. „Die bisher so vorzüglich geleistete Hospizarbeit vor Ort wird ergänzt und sichtbar durch diese stationäre Einrichtung.“ 

Großer Dank und Anerkennung

Beim anschließenden Festakt wurde ein Grußwort von Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen verlesen. Weitere Grußworte sprachen Pfarrer Rüdiger Schuch als Gesellschafter, Thomas Mähnert, Mitglied des Bundesvorstands der Johanniter Unfall-Hilfe e. V., der als Gastgeschenk eine Spende in Höhe von 30.000 € überreichte, die beiden Geschäftsführenden des Hospizes Sigrid Kübler-Molitor und Udo Schröder-Hörster, Dr. Hans-Joachim Schmallenbach, Vorstand des Hospizvereins Soest, Dr. Eckhardt Ruthemeyer, Bürgermeister von Soest, Goswin Simons v. Bockum-Dolffs als Vorstandsmitglied der Johanniter in Westfalen, der Projektsteuerer, Roland Winter vom Ingenieurbüro Winter in Teltow bei Berlin, sowie der Architekt Nils Oetterer vom Architekturbüro Oetterer. Anwesend waren des Weiteren Magnus Memmeler und Hans Theodor Freiherr von Tiesenhausen vom JUH-Landesvorstand Nordrhein-Westfalen, Kirsten Hols als hauptamtliche JUH-Landesvorständin und die Leiterin des Kreis-Gesundheitsamtes Soest, Dr. Andrea Gernun. 
Allen Grußworten gemein war der Ausdruck der tief empfundenen Freude über das neue Hospiz. Als überaus wichtigen Wegbereiter nannte Rüdiger Schuch die Hospizbewegung, die „sich seit weit über 20 Jahren um Menschen in ihrer letzten Lebensphase kümmert, in der Region das Thema in die gesellschaftliche Diskussion gebracht und ständig aufrecht erhalten hat.“ Der Hospizverein Soest ist einer der Großspender für das Hospiz. Allein durch ihn kamen 200.000 Euro für den Bau zusammen. „Auch wenn der Weg nicht immer einfach war – ein Traum ist in Erfüllung gegangen“, sagte Dr. Schmallenbach vom Hospizverein Soest. 

 

Ein Haus für ein Leben bis zuletzt

Nach den Grußworten hatten die Gäste die Gelegenheit, das Haus und das Gelände zu besichtigen. Das Christliche Hospiz Soest bietet 10 Plätze für Menschen in ihrer letzten Lebensphase sowie zwei Angehörigen-Zimmer. Das lichte Gebäude bietet viel Lebensqualität für seine Gäste und deren Angehörige sowie für alle, die dort arbeiten werden. Etwas Besonderes stellt der „Raum der Stille“ dar, in dem Gäste, Angehörige und auch Mitarbeitende zur Ruhe und Einkehr kommen können. Der Innenhof und der entstehende Garten laden zum Verweilen unter freiem Himmel ein.
Für Einrichtungsleiterin Angelika Köster ging es am Tag darauf direkt besucherintensiv weiter. Mehrere Hundert Interessierte nutzten den Tag der offenen Tür, um sich über die Hospizarbeit zu informieren und sich die Räumlichkeiten anzuschauen. „Für mich herausragend spürbar ist die große Akzeptanz des Teams. Wir haben viel Zuspruch, viele persönliche Worte sowohl von den Repräsentanten der Träger als auch von Privatleuten erfahren“, lautet ihr Fazit nach den Eröffnungstagen.

„Hospiz ist die Haltung!“

Fundierte Erfahrung mit der palliativen Arbeit auf Basis einer empathischen Grundhaltung kombiniert mit hochprofessioneller Pflege ist in der Evangelische Perthes-Stiftung bereits seit vielen Jahren vorhanden. In Lüdenscheid betreibt der Träger das Hospiz Amalie-Sieveking-Haus. Angelika Köster steht in engem Austausch mit der dortigen Einrichtungsleitung Sabine Große. „Ich habe in Lüdenscheid hospitiert und viele wertvolle Impulse für unsere tägliche Arbeit bekommen. Die kooperative und partnerschaftliche Unterstützung war toll!“  

Angelika Köster ist stolz auf ihr Team. 20 Menschen kümmern sich mit ihren unterschiedlichen Schwerpunkten und Qualifikationen um die Gäste. Etliche bringen Zusatzqualifikationen mit, die in die Arbeit einfließen werden. Bei allem Glück und Enthusiasmus für das wunderschöne Baukonzept und deren hervorragende Umsetzung sei jedoch vor allem die empathische Einstellung der Menschen in dem Gebäude entscheidend. „Hospiz ist nicht das Haus, Hospiz ist die Haltung“, sagte sie. Bereits jetzt gebe es eine Menge Anfragen. Am Montag nach der Eröffnungsfeier wurden die ersten Gäste im Hospiz begrüßt.


Tanja Schreiber

(veröffentlicht am 07.05.2018)